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Quetzal
e. V. |
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P E Q
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Mirko Hauswirth |
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| Die Provinz Alta Verapaz | |
| Die Provinz Alta Verapaz liegt östlich von Cobán zwischen dem Río Polochic und Río Cahabón. Die Koordinaten des Gebietes liegen bei 15°18' - 15°24' nördlicher Breite, 90°02' - 90°15' westlicher Länge und hat eine Höhenlage von 1500 - 2500 Metern üNN. Der Gebirgszug "Sierra Aj Poop B'atz'" besteht aus den drei einzelnen Gebirgszügen Sierra Caquipec, Sierra Guaxac und Sierra Yalijux und besteht geologisch aus stark verkarsteten, dolomitischen Perm-Kalken. | |
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Die Trockenzeit ist ca. von März bis Mai, dementsprechend die Regenzeit von ca. Mai bis
Februar. Bei ca. 4000 mm Niederschlag pro Jahr und einer relativen Luftfeuchte zwischen 80
und 98 % ist das Gebiet dem klimatischen Vegetationsgebiet der "Tierra fria", d.
h. Nebelwälder mit Eichen bei 9-10 humiden Monaten zuzurechnen (alle
Angaben aus BIDAS 1999, Knapp 1965 und Weyl
1980). In der Sierra Aj Poop B'atz' kollidieren die Interessen der landsuchenden Bevölkerung besonders stark mit den nationalen und internationalen Bestrebungen, die bedrohten Nebelwälder zu erhalten. In dieser konfliktiven Region hat sich ein Projekt entwickelt, das sich bemüht, Landnutzung und Regenwaldschutz zu integrieren. Welche Strategie und welche Konzepte dazu eingesetzt werden, wird im Folgenden erörtert. |
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| Zerstörung des Nebelwaldes in der Sierra Aj Poop B'atz' und bisherige Landnutzung | |
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Die quetzalreichen Nebelwälder der Sierra Aj Poop
B'atz' umfassen eine
Fläche von ca. 55 km² von der Gesamtfläche des Projektgebietes
von 273 km². Ihre Zerstörung geht ausschließlich von dort
vordringenden, landsuchenden Indianern aus. Die Indianer gehören zu den
K'eckchis, einer
Maya-Ethnie mit eigener Sprache und fest verwurzelten Traditionen (Wilson 1995). Im
Tiefland und in den westlichen Hochebenen Guatemalas finden sie kein Land mehr. Deshalb
sind die Familien gezwungen, in unwirtliche, bisher nicht erschlossene und steile
Berglagen auszuweichen und dort Brandrodungsfeldbau zu betreiben. Mit Macheten und mittlerweile Motorsägen werden Nebelwälder bzw. Sekundärvegetationen gerodet und nach einer zweiwöchigen Trocknungsphase verbrannt. | |
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Die Brandrodungsflächen werden fast
ausschließlich zum Maisanbau genutzt. Der als heilig angesehene Mais wird im März/April
unter Einhaltung fester Rituale gepflanzt. Dazu gehen die Männer einer Gemeinde parallel
den Hang hoch, bohren mit einem Pflanzstock Saatlöcher und versehen sie mit fünf bis
sechs Maiskörnern. Auch die Ernte im Oktober wird gemeinsam durchgeführt. Inmitten der
Mais- und Brachefelder leben die K'eckchi in einfachen, grasbedeckten Holzhütten. Jede Indianerfamilie besitzt etwa 5 ha Land und bewirtschaftet davon jährlich 1-2 Hektar mit Mais (und Bohnen als Begleitfrucht). |
| Darauf wird ein Ertrag von 25 bis 50 Zentner Mais erwirtschaftet, was nicht reicht, um eine Familie (mit durchschnittlich sechs Kindern) ein ganzes Jahr zu ernähren. Die Familie muss entweder hungern, oder die Väter und älteren Söhne müssen sich als saisonale Tagelöhner in tiefer gelegenen Kaffe- und Kardamomplantagen verdingen. Mit dem Lohn können sie dann Mais und andere Lebensmittel auf tiefer gelegenen Märkten zukaufen. Die Sierra Aj Poop B'atz' ist weder durch Strassen noch durch Strom erschlossen und gehört zu den am wenigsten entwickelten Gebieten Guatemalas mit extremer Armut, ca. 75 % Analphabetentum und hoher Kindersterblichkeit (Bidas 1999). Durch das Bevölkerungswachstum und unkontrollierte Geburtenraten wird der Druck auf die verbliebenen 55 km² noch weiter ansteigen. | |
| Bevölkerung: | ||||||||
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| Das "Proyecto Ecologico Quetzal" | |
| Das "Proyecto Ecológico Quetzal" (PEQ) wurde 1990 in der Sierra Aj Poop B'atz' gegründet, um die Nebelwälder mit ihrer Zielart Quetzal zu erhalten und um den Anrainern aus ihrer Armut zu helfen (Unger 1990, Bidas 1999). | |
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Es ist der guatemaltekischen
Nicht- Regierungs- Organisation BIDAS (Asociación Biósfera y Desarrollo Agrícola
Sostenible) unterstellt, die politisch unabhängig und ohne eigenen Profit arbeitet. Die
meisten der derzeit 13 Projektmitarbeiter sind lokale Landwirtschaftsberater
("Promotoren"), die aus den Dörfern im Projektgebiet stammen. 12 weitere
Mitarbeiter wurden bis 1998 als Lehrer für die vom Projekt aufgebauten Kleinschulen
angestellt. Ihre Finanzierung und Betreuung ist jedoch inzwischen von der staatlichen Schulbehörde (PRONADE) übernommen worden. |
| Projektstrategie: Integration von Schutz und Nutzung |
| Die Gesamtstrategie des Projektes läuft mehrgleisig. Einerseits wird die Unterschutzstellung und sanfte Nutzung einzelner Nebelwaldgebiete vorbereitet und organisiert. Andererseits wird durch unterschiedliche Konzepte versucht, den Rodungsdruck auf die Nebelwälder zu mindern und den Indianern langfristige ökonomische Alternativen zur Brandrodung zu bieten. Die einzelnen Landnutzungskonzepte werden im folgenden vorgestellt. |
| Schutzausweisung einzelner Nebelwaldflächen: | |
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Bevor einzelne Nebelwaldflächen unter Schutz gestellt werden können,
müssen die Besitzverhältnisse der Flurstücke geklärt werden. In lokalen Umfragen
wurden die Eigentümer ermittelt. Später wurden die (z.T. nur vage bekannten) Flurgrenzen
und deren Eigentümer über Grundstückskarten des Katasteramtes bestätigt. Die
Grundstücksgrenzen wurden digitalisiert und mit den Karten über die Waldverteilung
verschnitten. Erst durch die so neu erhaltene Karte ist deutlich ablesbar, welche
Nebelwaldflächen welchen Besitzern zugeordnet werden können. Der weitaus größte Teil der Flächen war Eigentum einiger Finceros (Kaffeefarmer). | |
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Das PEQ hat ihre wertvollsten Nebelwaldflächen ermittelt und die
Unterschutzstellung dieser Flächen organisiert. 47 Hektar Nebelwald wurden vom PEQ
aufgekauft, weitere 270 Hektar Nebelwald werden im Auftrag eines Finceros als Schutzgebiet
verwaltet. An guatemaltekische Naturschutzorganisationen ("Audobon Guatemala",
"Amigos de Bosques") und an private Naturschützer wurde der Verkauf weiterer
Nebelwaldabschnitte vermittelt. Dadurch sind inzwischen ca. 65 % der gesamten Nebelwaldflächen im Projektgebiet geschützt. |
| Staatliche Anerkennung und finanzielle Förderung dieser Flächen als private Schutzgebiete werden gerade bei der staatlichen Naturschutzbehörde (CONAP) und der obersten Forstbehörde (INAB) beantragt. In diesem Rahmen soll eine sanfte Nutzung der Wälder durch die Indianer erlaubt bleiben. Sie entnehmen dem Wald Einzelstämme für Hüttenbau bzw. Schnitzhandwerk und Nicht-Holz-Produkte wie Pilze, Medizinalpflanzen und Schnur-Lianen (CORDOVA 1999). Mögliche Auswirkungen dieser Eingriffe auf ausgewählte Zielarten werden im Rahmen eines Biomonitoring-Programmes gemessen (Eisermann & Schulz 1999). | |
| Nutzungskonzepte |
| In einer langjährigen Entwicklungsphase wurden verschiedene Konzepte zur ökologisch und sozial verträglichen Nutzung der bereits gerodeten Flächen und der Nebelwälder zusammen mit der Bevölkerung entwickelt und z.T. auf Versuchsflächen getestet. |
| "Maisrevolution" zur Optimierung der Landwirtschaft auf bereits gerodeten Flächen: | |||||||||||||
| Um den Druck der Anrainer-Bevölkerung auf die Nebelwaldflächen zu entlasten und um ihnen langfristige Alternativen dazu zu bieten, wurden landwirtschaftliche Konzepte entwickelt, die einen produktiveren und nachhaltigen Anbau auf den bereits gerodeten Flächen ermöglichen. Erfahrungen aus anderen Projekten können dabei nur partiell übernommen werden, weil sie meist unter völlig anderen Bedingungen entstanden (siehe z.B. Pohlan et al. 1996). | |||||||||||||
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Notwendig sind neue Anbaumethoden geworden, da die bisher praktizierten Maisanbauverfahren der Indianer zu starken Bodenerosionen führten. Die K'eckchi-Bauern sind Landsuchende aus tiefergelegenen Gebieten, weshalb ihre über Generationen tradierte Anbauweise nur an die Bedingungen im Flachland Guatemalas angepasst ist. An den steilen Hanglagen des Projektgebietes führt es jedoch zu einer rapiden Bodenverschlechterung innerhalb weniger Jahre. Auf vegetationsfreien Steilhängen kann tropischer Starkregen die fruchtbare Erde innerhalb von Stunden wegspülen (Vahrson 1997). | ||||||||||||
| Infolgedessen sind im Extremfall auf Steilflächen rentable Maisernten nur in einem einzigen Anbaujahr möglich. Um den Ertrag auf den Maisflächen zu steigern und um den Boden nachhaltig zu schützen, wurden neue Anbauverfahren in z.T. siebenjährigen Versuchsreihen auf den landwirtschaftlichen Versuchsparzellen erprobt. Dabei standen Bodenschutz, Ertragssteigerung und Einführung ergänzender Feldfrüchte bzw. neuartiger Anbauverfahren im Vordergrund. Verfahren, die sich hier bewährten, wurden 1997 in einem landwirtschaftlichen Konzept unter dem Titel "Maisrevolution" zusammengefasst. Sie sind gezielt auf die standörtlichen, klimatischen und sozialen Verhältnisse im Projektgebiet zugeschnitten. Die wichtigsten Änderungen durch die "Maisrevolution" sind in Tab. 2 zusammengefaßt. | |||||||||||||
Tab. 2: Umstellung des Maisanbaus auf bereits gerodeten Flächen | |||||||||||||
| Die Umstellung des Maisanbaus beinhaltet v.a. das Unterlassen des bisher üblichen Abbrennens der Maisfelder nach der Ernte. Statt dessen sollen die Maispflanzen am Standort gemulcht werden, um den Boden vor weiterer Erosion zu schützen und um die Humusanreicherung zu forcieren (dazu siehe z.B. Manshard & Mäckel 1995). | |||||||||||||
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Dem gleichen Zweck dienen neu angelegte Schutzhecken aus autochthonen Straucharten. Auch
die Anpflanzung wird geändert. Statt der bisher üblichen wahllosen Anordnung der
Saatlöcher, werden die Maiskörner nun in Reihe entlang der Höhenlinien gesetzt. Es ist
seit langem bekannt, dass dadurch Erosionsschäden an Hanglagen vermindert werden (siehe
z.B. Bastian 1974). Vielen Maya-Indianern fällt es jedoch wegen der strengen Traditionen aus dem Tiefland und wegen eines historisch bedingten Misstrauens schwer, solche landwirtschaftlichen Neuerungen anzunehmen (Wilson 1995). Um Anreize zur Umstellung zu geben, wird den Teilnehmern der Maisrevolution deshalb die Anlage von Finquitas (siehe unten) angeboten. Alle neuen Konzepte wurden nach langjährigen Vorversuchen auf eigenen Maisfeldern von den lokalen Promotoren vermittelt. Da die Indianer einer Gemeinde gemeinschaftlich die Einzelflächen besäen, mussten ganze Gruppen und hier besonders die Meinungsträger (Dorfältesten) überzeugt werden. |
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Dies war nur durch die
Vermittlungstätigkeit der K'eckchi sprechenden Projektmitarbeiter möglich, die
gleichzeitig alteingesessene Gemeindemitglieder sind. Inzwischen haben sich im Projektgebiet 96 Bauern der "Maisrevolution" angeschlossen. Auf ihren Feldern waren bisher die Ernten erwartungsgemäß weder höher noch geringer als auf herkömmlich behandelten Flächen, doch es lässt sich schon eine Anreicherung organischen Materials feststellen. Die Maisrevolution ist somit eine Maßnahme, die mittelfristig wirkt; spürbare Besserungen sind erst in den nächsten Jahren zu erwarten.
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| "Finquitas" zur Optimierung der Landwirtschaft auf bereits gerodeten Flächen: | |
| Auf den Versuchsflächen des Projektes wird auch die Einsatzmöglichkeit weiterer Feldfrüchte getestet, die in der Sierra Aj Poop B'atz' bisher nicht angebaut wurden. Diese Früchte sollen sowohl der Eigenversorgung als auch zum Verkauf auf lokalen Märkten dienen. Feldfrüchte, die in dem kalten, feuchten Klima des Projektgebiets (Tab.1) gedeihen, sind z.B. Kartoffeln, Mohrrüben und Kohl. Obstbäume, die in diesem Klima Früchte tragen und von Krankheiten bzw. Schädlingen wenig beeinträchtigt werden, sind Pflaume, Passionsfrucht, Nektarine und Pfirsich. | |
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Interessierten Indianerfamilien wird vom Projekt die Einrichtung
sogenannter Finquitas ("Kleinerwerbs-Obstgärten") nahe ihrer Hütten angeboten.
Mit Samen, Setzlingen und Pflanzhilfen werden sie technisch unterstützt. Ein Student der FH Eberswalde und ehemaliger Gartenbauer gab Kurse über das Pflegen, Schneiden und Veredeln der Obstbäume (Thielemann 1998). Von ihm ausgebildete Promotoren übernahmen anschließend die Betreuung der Obstanlagen. Im Jahr 1999 wurden 4600 Obstbäume in 23 Anlagen gepflanzt. |
| Grundsätzlich werden den K'eckchi-Bauern nur die Feldfrüchte und Anbauformen vermittelt, die sich in den gemeinsamen Versuchsanlagen über Jahre bewährt haben. Partnerschaftlich mit den Bauern übernimmt das Projekt die Vermarktung der Früchte. | |
| Ökotourismus: | |
| Ein völlig anderes, parallel laufendes Konzept, um die Indianer von der weiteren Brandrodung der Nebelwälder abzuhalten und sie gleichzeitig mit Ersatzeinkommen zu versorgen, ist der Öko-Tourismus ("low impact tourism"). Der Besuch von Rucksacktouristen bei den K'eckchi-Indianern wird vom Projektbüro in Cobán aus organisiert. Touristen bekommen dort die Informationen und Anweisungen, die sie für die Wanderung in die Berge und für den Aufenthalt in den Indianerhütten brauchen. Über Funk verständigte Gastfamilien holen die Touristen ab und leiten sie bei einem ca. dreistündigen Marsch in das Projektgebiet. | |
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Das Ökotourismus-Konzept wurde vorerst in zwei Gemeinden mit starker Rodungsaktivität (Chicacnab und San Lucas) eingeführt. Hier leben 27 Familien auf Rodungen in direkter Nachbarschaft zu intakten Nebelwäldern. In ihren einfachen Holzhütten werden die Rucksacktouristen aufgenommen und mit Mahlzeiten und Schlafplätzen versorgt. Die Ökotouristen nehmen am einfachen Leben der Indianer teil und lassen sich von ihnen die Nebelwälder zeigen. Die Gastfamilien erhalten im Gegenzug für Unterkunft, Verpflegung und Führungen eine Entlohnung, die für jeden Ökotouristen tragbar ist. |
| Bei dem durchschnittlichen Aufenthalt von zwei Ökotouristen für drei Tage erhält die Gastfamilie umgerechnet 26,- $ (zu den Einzelposten siehe Tab. 3). Von diesem Betrag kann die Familie ca. 260 Pfund Mais zukaufen. Wären die männlichen Mitglieder gezwungen, dieses Geld als Tagelöhner zu erwirtschaften (siehe Tab. 3), dann müssten sie in dieser Zeit wiederum ihre Felder vernachlässigen. | |||||||||||||||||||||
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Die Indianer haben
erkannt, dass die Touristen hauptsächlich kommen, um die Nebelwälder zu sehen und die
dort lebenden Pflanzen und Tiere kennen zu lernen. Somit haben sie einen direkten Anreiz,
die Nebelwälder zu erhalten. Innerhalb eines Jahres sind ca. 200 Touristen in die Gemeinde Chicacnab gewandert und haben jede der teilnehmenden Gastfamilien mit ca. 180 $ versorgt. Jede Familie, die Touristen aufnehmen will, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen (z.B. aus hygienischen Gründen eine Latrine bauen) und wird dann von Projektmitarbeitern über Gewohnheiten und Ansprüche von Touristen informiert. Um Öko-Touristen anzulocken und zu informieren, wurden eine Website sowie Plakate, Faltblätter und Broschüren entwickelt (z.B. Schulz & Berger 1998). Letztere werden im ganzen Land an den Knotenpunkten von Touristenrouten ausgelegt. |
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Tab. 3: Zusatzeinkommen für Indianer-Familien durch Ökotouristen |
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Einzelne Gemeindemitglieder, die spanisch sprechen können, werden als
Naturführer für Touristen ausgebildet. Anhand von Zeichnungsvorlagen, Lehrbüchern und Tonbandaufnahmen üben sie das Wiedererkennen von nebelwaldtypischen und touristisch relevanten Organismen (v.a. Vogel- und Säugerarten). Zusätzlich zu den K'eckchi-Ausdrücken lernen sie die englischen und spanischen Namen von ca. 30 Pflanzen- und Tiernamen. Für die Führung in die Nebelwälder sowie das Zeigen und Erklären der auffälligen Organismen werden die speziell ausgebildeten Naturführer zusätzlich entlohnt (siehe Tab. 3). |
| Produktion und Vertrieb von Naturkerzen und Kunsthandwerk: | |
| Ein kleineres, weiteres Einkommen erhalten einige Indianer durch den direkten Verkauf von Kunsthandwerk an die Touristen. Frauen weben und sticken Textilien mit mayatypischen Mustern oder verarbeiten die Fasern der Sisalagave zu Tragetaschen und Hängematten. Manche Männer stellen in ihren Hütten aus Hölzern, die sie einzeln dem Nebelwald entnommen haben, Schnitzereien her. Die Motive der Halbreliefs sind meist Maya-Gottheiten und Quetzalvögel. Je nach Begabung und Neigung entscheiden sich die verschiedenen Indianerfamilien bzw. Familienmitglieder für unterschiedliches Kunsthandwerk. | |
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| Den größten Absatz im Kleingewerbe haben Kerzen, die von den Indianern aus den wachshaltigen Früchten einer Brachepflanze hergestellt werden. Dieser Strauch (Myrica cerifera) wächst noch auf den schlechtesten Böden der ausgelaugten Brachfelder und ist somit eine wichtige Einnahmequelle gerade für die ansonsten landwirtschaftlich benachteiligten Familien. Die ca. 3 mm großen Früchte des häufigen Strauches werden in mühevoller Kleinarbeit abgesammelt, um anschließend das Wachs über Hüttenfeuern auszusieden. Das Projekt hat eine kleine Manufaktur gegründet, in der mit einfachen Hängevorrichtungen Kerzen gezogen und weiterverarbeitet werden. | |
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Die Kerzen werden mit
großem Erfolg auf guatemaltekischen Märkten und
ins Ausland verkauft. Mit diesem Projektkonzept fällt den Anrainern des Nebelwaldes ein
beträchtlicher Gewinn zu, der sich über viele Familien verteilt. Im vergangenen Jahr
erhielten etwa 150 Familien zusammengenommen $6000 für das erzeugte Kerzenwachs. Dieses
Einkommen trifft in eine Jahreszeit (August), in der die Bauern im allgemeinen keine
Maisvorräte vom Vorjahr mehr haben, aber auch noch keine Arbeit als Tagelöhner finden.
Die Wachsernte befreit die Bauern vom jahreszeitlichen Hungern und hält sie vom weiteren Roden ab. Dieses positive Warenimage wiederum kommt dem Verkauf der Kerzen zugute. |
| Abschließende Betrachtungen: |
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Das Proyecto Ecológico Quetzal hat für eine hoch konfliktive Zone Guatemalas Konzepte entwickelt, die Naturschutz und Landnutzung durch die Anrainer integrieren. In enger Nachbarschaft zu sanft genutzten Nebelwaldschutzgebieten liegen Flächen, die mit den oben beschriebenen Verfahren nachhaltig genutzt werden. Bereits gerodete Flächen werden durch die Maisrevolution effektiver genutzt, bisher brach liegende Flächen lassen durch die Produktion von Naturwachs neue Einkommen zu und bisher als nutzlos bzw. als störend angesehene Nebelwälder erhalten durch den Ökotourismus für die Indianer eine völlig neue Wertschätzung. Entsprechend der "use it or loose it"-These von Freese (1997) deutet sich auch hier an, dass die Regenwälder und ihre Pufferzonen nur weiterbestehen können, wenn sie ökonomisch erfolgreich genutzt werden. Ökotourismus Man fragt sich natürlich, ob Touristen aus anderen Kulturen mit teuren Ausrüstungen nicht auch Schaden anrichten, Bedürfnisse wecken und eine "soziale Kontamination" (Ellenberg et al. 1998) bewirken. Aber einerseits ist diese Frage angesichts des drohenden Hungers fast zynisch, andererseits kann man eine zunehmende kulturelle Beeinflussung der K'eckchi sowieso nicht verhindern, spätestens ab der - bereits geplanten - Erschließung des Projektgebietes mit Straßen und Elektrizität. Durch das PEQ wird die Entwicklung zumindest zugunsten der Indianer kanalisiert. Dazu diente auch der Aufbau der Grundschulen. Landwirtschaft Integration statt Segregation Im Falle des Nationalparks Laguna Lachua wirkt die Segregations-Strategie also schnell, aber nicht nachhaltig. Ohne Waffengewalt ist der jetzige Schutzstatus dieses Waldes nicht zu halten, da die K'eckchi-Indianer mit ihren Landnutzungsbedürfnissen alleine gelassen werden. Zusätzlich werden mit dieser Strategie die Waldflächen außerhalb der Schutzgebietsgrenzen verloren gegeben (siehe auch Clay 1988, Ammer et al. 1995). Die Integrationsstrategie des PEQ in der Sierra Aj Poop B'atz' wirkt hingegen langsam, aber nachhaltig. Sie hat in enger Zusammenarbeit mit K'eckchi-Indianern ein Bündel regional angepasster Konzepte geschaffen, die auf Dauer eine ökonomisch tragbare Alternative zur Brandrodung der Wälder darstellen. Eine Übertragung dieser Integrationskonzepte auf andere Waldgebiete Guatemalas, bei starker Beachtung regionaler Gegebenheiten, wäre wünschenswert. |